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Spezial
Heute: Krieg der Welten
1938. Die amerikanische Radiostation CBS suchte nach einem
Beitrag für Halloween. Die Zeit drängt. Und so greifen die Manager
auf den Mann zurück, der schon damals als : Orson Welles aus, der
damals schon als Genie im Show-Geschäft galt, Er sollte so rasch
wie möglich eine Sendung produzieren.
Das Ergebnis war eine Sendung, die auch heute noch als einzigartig in
der Geschichte der Radiokunst gilt.
Welles hatte schon vorher den Plan, "Krieg der Welten", ein
Roman des Engländers H. G. Wells, zu bearbeiten. Die Geschichte erzählt
von einer Invasion der Marsmenschen auf der Erde. Doch zu diesem Zeitpunkt
hatte Welles andere Pläne und überhaupt keine Zeit. Er zwang
Howard Koch, später einer der beiden Co-Autoren von "Casablanca",
zum Schreiben der dramatischen Fassung. Der war in den nächsten Tagen
mehrfach am Rand des Nervenzusammenbruchs, bis er auf die seiner Meinung
nach rettende Idee kam: Er nahm die Funkreportagen beim brennenden Untergang
des deutschen Luftschiffs "Hindenburg" im Vorjahr in Lakehurst
bei New York als Richtlinie. Schreiend und weinend hatten die Reporter
damals über die grauenerregende Katastrophe berichtet.
Welles tat in der Sendung zunächst so, als spreche er über nicht
nachprüfbare Phänomene, über "Intelligenzen, die diese
Welt genau beobachten". Dann kamen kurze Bekanntmachungen über
seltsame Wetterstörungen, dann wurde zu einer der damals üblichen
Tanzmusikübertragungen umgeschaltet - aus dem Hotel Park Plaza, das
es in New York nicht gab. Aber die Unterbrechung, die schon bald danach
mit atemloser Stimme angekündigt wurde, hatte alle Anzeichen von
Panik: "Um zwanzig Minuten vor acht hat Professor Farrell vom Mount
Jennings- Observatorium mehrere Gasexplosionen in regelmäßigen
Abständen auf dem Planeten Mars beobachtet."
Sehr schnell wurde dann ganz konkret das Raumschiff beschrieben, in dem
die Marsmenschen gelandet waren. "Guter Gott, jemand windet sich
aus dem Schatten wie eine graue Schlange!" - vierzig Menschen seien
"sofort getötet" worden, und dann begann es erst richtig:
"Das Ding erhebt sich - die Menge fällt einfach um." Eine
sehr große Rolle spielte, daß um diese Zeit auf einem anderen
Sender eine poluläre Komödie endete und sehr viele Hörer
zu CBS umschalteten. Sie hatten keine Ahnung, daß es um eine Fiktion
ging. "Als wir aufgerufen wurden, sofort die Gasmasken zu holen,
wurden wir alle wahnsinnig - die Welt war zu Ende, und jeder roch schon
das Gas", sagte eine Zuhörerin später.
Gerade in "Krieg der Welten" wird deutlich, daß das Radio
mit sehr geringen Mitteln Authentizität herstellen kann. Duch die
Möglichkeit in Echtzeit zu berichten, auch wenn es in diesem Beispiel
sich nur um eine scheinbare Livesendung handelte, kann das Radio eine
große Dichte zum Ereignis herstellen. Welles nutzte dieses Potenzial,
vielmehr verließ er sich auf die Zuhörer, die Manipulationen
durch Medien noch nicht gewohnt waren.
"Krieg der Welten" setzt eine Menge Phantasien im Umgang mit
dem Radio frei
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