RADIOKUNST ALS RAUMKUNST
von Manfred Mixner
Eine der Zielvorstellungen der Rundfunkpolitiker
bei der Einführung des Unterhaltungsrundfunks im Herbst 1923
in Berlin war es, unter anderem die großen Kulturveranstaltungen, seien
es nun Theateraufführungen, Opernabende, Konzerte, Rezitations- und Liederabende,
in die Wohnstuben derer zu übertragen, die sich einen Besuch dieser Veranstaltungen
nicht leisten wollten oder konnten. Mit anderen Worten: öffentliche kulturelle
und ausge-wählte politische Ereignisse sollten über das Radio in den
pri-vaten Lebensraum integriert werden, jedermann sollte am öffent-lichen
kulturellen Leben teilhaben können. Eine gewaltige Verän-derung der
politischen Struktur von Öffentlichkeit hat sich mit dieser Aufhebung der
traditionellen Trennung von öffentlichem Raum und privatem Raum durch den
Einbruch der Medien vollzogen. Aber nicht über die politischen Implikationen
dieser Medienent-wicklung ist hier zu sprechen, sondern über einen anderen,
einen kleinen und unscheinbaren Aspekt der in nur wenigen Jahren er-reichten
massenhaften Verbreitung des Hörfunks.
Was heißt Übertragung einer Veranstaltung, sei es nun
die einer Aufführung aus einem Theater oder einem Kozertsaal oder sei es
die Live-Ausstrahlung einer sogenannt funkgerechten Studioinszenierung?
Ein oder mehrere Mikrophone verwandeln die auf sie auftreffenden Schallwellen
in elektrische Energie, die transponiert und von einer Sendeeinrichtung über
möglichst wei-te Strecken verbreitet wird, um von beliebig vielen Empfängerap-paraten
aufgenommen und in diesen jeweils über einen Lautspre-cher wieder in hörbare
Schallereignisse zurückverwandelt zu wer-den. Über den Radioapparat
werden Klänge aus anderen, meist gro-ßen Räumen in den Raumklang
eines Wohnraums integriert. Worauf wir meist wenig achten: wenn das Radio in
Betrieb gesetzt wird, hören wir nicht nur die Sendung. Wir hören mindestens
zwei Räu-me, den eigenen Wohnraum, in dem der Rundfunkempfänger steht,
und den Klang jenes Raumes, aus dem die Sendung übertragen wird oder wo
sie aufgenommen wurde. In einer Zeit, in der im Zuge ei-ner umfassenden Pluralisierung
der Medienangebote die Funktionen des Radios sich grundlegend gewandelt haben,
mutet es eher be-fremdlich an, wenn man (um nur eines der vielen Beispiele zu
nennen) in einem der Feuilletons des österreichischen Schrift-stellers
Thomas Bernhard aus den Fünfziger Jahren liest, wie viele Menschen sich
zu Hause bei der Radioübertragung von Kon-zerten oder Theater- und Opernaufführungen
der Salzburger Fest-spiele entsprechend festlich gekleidet haben. Als Rundfunkteil-nehmer
waren die Hörer ja mitten in dem Klanggeschehen, das Er-eignis fand bei
ihnen zu Hause statt.
Wer ein Grammophon, einen Plattenspieler, ein Tonband- oder Kassettengerät,
einen CD-Player, einen Radioapparat oder sonst irgendeine Klangmaschine mit
einem oder mehreren Lautsprechern aufstellt und in Gang setzt, hat in dem Raum,
in dem er das macht, eine einfache Klanginstallation aufgebaut. Das Klangge-schehen
im Raum wird - und das ist der Unterschied zur alten Hausmusik - durch die Einstrahlung
von fremden, von anderen als den eigenen Raumklängen verändert, der
Raum bekommt dadurch eine neue akustische Qualität, er erfährt eine
immer neue akustische Gestaltung, er wird in seiner Gestimmtheit verwandelt.
Das ge-schieht durch alle Arten von akustischen Informationen, die aus dem Lautsprecher
in den Hörraum dringen, durch Musik, durch Sprache, durch jede Form der
Übertragung von welchen Schaller-eignissen auch immer.
Die ästhetische Eigenleistung des Mediums Hörfunk, das Hör-spiel,
ist ein Raumklangspiel, in das alle zur Verfügung stehen-den akustischen
Zeichensysteme (Sprache, Geräusche und Musik) integriert werden können.
Alles, was Radio kennzeichnet, ist im Hörspiel potentiell enthalten, Rede
und Gegenrede, Musik und Szene, nahes Geräusch und ferner Klang, das Rauschen
der Molekü-le und die elektronisch generierten Töne. Ein Hörspiel
ist das ideale Ausgangsmaterial für eine einfache Klanginstallation. Die
Geschichte der Klanginstallationen ist - das ist nun meine These - so alt wie
die Geschichte des Radios und des Hörspiels, und sie ist mit dieser in
Form und Inhalt untrennbar verknüpft.
In der Produktionspraxis der Radiokünste spielt der Raum-klang seit der
Einführung des Rundfunks eine bedeutende Rolle. Bei den Live-Sendungen,
den sogenannten Sendespielen, war es ei-ne große Schwierigkeit, den Szenen
einen Raumklang zu geben, der im Bewußtsein der Hörer sowohl die
Einheit des Ortes als auch einen Schauplatzwechsel nachvollziehbar machte. Es
ist übrigens erstaunlich, daß erst diese akustische Problemkonstellation
auf die phylogenetische Grundfunktion des Gehörs als Raumkontroll-sinn
aufmerksam machte. Fast alle Veränderungen in der Produkti-ons- und in
der Übertragungstechnik des Radios zielten im Grunde nur auf eine Verfeinerung
in den Methoden der Herstellung, der Simulation von (Raum-)Klangqualitäten
und ihrer Übertragbarkeit, seien das nun die Einführung des Tonbandes,
der Ultrakurzwelle, der Stereophonie oder der verschiedenen Rauschunterdrückungssys-teme
und schließlich die Nutzung der Digitaltechnik und der rechnergestützen
Produktion. Die Parameter zur Bestimmung der Eigenschaften von Raumklängen
wurden ständig erweitert, das Klangmaterial wurde immer weiter
verfügbar gemacht.
In der Hörspieltheorie spiegelt sich einerseits der jewei-lige Stand der
produktionstechnischen Entwicklung - die Grenzen des technisch Machbaren werden
immer wieder als die Grenzen des Genres begriffen, andererseits verstellten
lange Zeit programma-tische Intentionen und aus anderen Künsten, vor allem
aus der Literatur abgeleitete gattungsspezifische Überlegungen die Be-stimmung
des Hörspiels als Wortkunstform. So sprach Richard Kolb 1932 von einer
Entkörperung des gesprochenen Wortes, das Wort sei die Brücke
zwischen dem rein Geistigen und dem Materiel-len; dafür genüge
ein abstraktes Raumgefühl. Kolb unterschät-ze die Funktion
des Gehörs als Raumkontrollsinn, er vertraute allein der (poetischen) Kommunikationsfunktion
des Ohrs, die re-alistische Raumklang-Wiedergabe war ihm ein Greuel. Hermann
Pongs vertrat gar die These, daß das Hörspiel nichts mit räumli-cher
Wirklichkeit zu tun habe, daß es aus dem Unpersönlichen und
Unräumlichen entstehe.
Die innere Bühne als den idealen Ort des Hörspiels defi-nierte
Heinz Schwitzke in seiner umfassenden Analyse Das Hör-spiel
. Vom Hörraum behauptete er: Am hinderlichsten für
sein Verständnis ist die Vorstellung, daß er irgend etwas mit dem
realen Raum zu tun hätte, in dem alle sichtbaren Dinge und wir selber existierten.
Die Möglichkeit, mit dem Raum im Hörspiel etwas Konkretes auszudrücken,
sei so gut wie nicht vorhanden, der Raum im Hörspiel sei ein
Abstraktum. Und: Hörspiel gibt es vermutlich überhaupt
nur durch die Unvollkommenheit und Eindimensionalität seines akustischen
Raums. Wie reduziert und unscharf in dieser Theorie Schwitzkes die Bedeutung
von Klangraum-Vorstellungen ist, illustrieren seine Gedanken über die Radiohörsituation
im Wohnraum: Wir müssen genau festhalten: es ist beim Hörspiel
nicht nur und nicht einmal überwiegend Sache unserer Phantasie, sondern
es ist auch technisch bedingt, wenn wir uns selbst mitten auf der Bühne
empfinden und die Figuren des Spiels mitten in uns. Diese Empfindung ist das
Ergebnis der Wirkung des abstrakten, eindimensionalen, einohrigen (monauralen)
Hörraums. Es gibt für den Hörspielhörer keine anderen realen
Dimensionen als die des Zimmers, in dem er sitzt, und seiner Entfernung vom
Lautsprecher. Da er aber spürt, daß dies mit den akustischen Gegebenheiten
innerhalb des Hörspiels nichts zu tun hat, sieht er mühelos
von dieser Zimmer-Realität ab. Dennoch verwirrt uns der Gedanke an die
Lautsprecherdistanz immer wieder, gerade bei theoretischen Überlegungen.
Er bringt uns in Versuchung, die Hörspielhandlung, die innerlich in uns
geschieht, als in Distanz geschehend zu mißdeuten. Hätten wir noch
die alten Kopfhörer auf den Ohren, täuschten wir uns über die
- im realistischen Sinne - Raumlosigkeit des Hörspielraums nicht so leicht.
Der Bewußtseinstätigkeit beim Decodieren der wahrgenommenen akustischen
Zeichenketten gilt Schwitzkes primäres Interesse, die Qualitäten der
im Zimmer installierten Klangräume, also die wahrgenommenen
akustischen Phänomene selbst sind nicht Ge-genstand seiner Analyse. Gegen
dieses ausschließlich litera-risch-psychologisierende Verständnis
von Hörspiel wandte sich Friedrich Knilli mit seiner Forderung nach einem
totalen Schallspiel. Seine knappe Feststellung: Die Eigenwelt
des Hörspiels sind Schallvorgänge - wobei er den Begriff Eigenwelt
im Sinne von Max Bense verwendet, der damit die Form-Inhalt-Problematik umging.
Der Hörer, der Rezipient und der Hörraum, der Rezeptionsraum gehören
für Knilli zur Außenwelt des Hör-spiels. Knillis Schallspiel,
bestehend aus Geräuschen, Stimmen und Tönen, sollte den Illusionismus
des herkömmlichen Hör-spiels überwinden und die Bühne
aus der Phantasie des Hörers in das Zimmer des Zuhörers verlegen.
Die Hauptmerkmale des To-talhörspiels sind: totale Bespielung der
Schallwelt und Realisa-tion von Gestalten, nicht Abbildung von Gestalten.
Das Neue Hörspiel , das Ende der Sechziger Jahre Anlaß
zur Hoffnung gab, die Knillischen Forderungen nach dem totalen Schallspiel
könnten eingelöst werden, erwies sich bald nur als Fortsetzung des
alten Hörspiels mit neuen literarischen Metho-den: experimentelle Montage-
und Collagetechniken, die verschie-denen, den Materialcharakter von Sprache
thematisierenden Ver-fahren der Konkreten Poesie, seien das nun Konstellationen
im Sinne Eugen Gomringers, Inventionen im Sinne der Autoren der Wiener Gruppe
oder serielle Struktur-Substitutions-Spiele, wur-den auf ihre Variierbarkeit
im nur akustischen Medium hin unter-sucht. Barbara Schäfer hat darauf hingewiesen,
daß in diesen In-novations-Ansätzen das Hörspiel mehr als Zeitkunst
denn als Raumkunst definiert wurde. Natürlich gab es Ausnahmen,
in de-nen die akustischen Materialien explizit als Raumklänge einge-setzt
wurden und damit primär den Aufbau und die Gestalt der jeweiligen
Produktionen bestimmten. Um zwei sehr konträre Bei-spiele zu nennen: Mauricio
Kagels Innen, Außen und In-nen/Außen
(WDR 1970) oder Peter Handkes Geräusch eines Geräu-sches
(WDR 1969). Mauricio Kagels Hörspieldefinition zielte ge-nau auf Knillis
Schallspiel: Das Hörspiel ist weder eine lite-rarische noch eine
musikalische, sondern lediglich eine akusti-sche Gattung unbestimmten Inhalts.
In der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre kam der gesamte traditionelle
Kunst- und Kulturbetrieb in Bewegung, es entstan-den - meist als Protestbewegungen
gegen festgefügte Konventionen - provozierend neue ästhetische Ausdrucks-
und Artikulationsfor-men: das Happening, die Performances, die Fluxus-Aktionen
und anderes mehr. Die Geschichte des Neuen Hörspiels muß
man na-türlich auch vor diesem Hintergrund sehen. Die Arbeiten der Kom-ponisten,
die sich zu jener Zeit dem Hörspiel zugewandt haben, bewirkten zwar eine
Pluralisierung des radiophonen Formenreper-toires, führten aber zunächst
nicht zu einer Diversifikation der Programmplätze des Hörspiels. Die
Innovationen des Genres wurden meist mit dem Etikett Experimentelles versehen,
als Sonderfälle des Hörspiels präsentiert. Vielleicht ist das
der Grund, warum vom institutionalisierten Hörspielbetrieb kaum wahrgenommen
wur-de, daß das Hörspiel, genauer: das Schallspiel damals durch eine
Hintertür sein Elternhaus Radio zu verlassen begonnen hat. Künstler
wie Max Neuhaus, Wolf Vostell oder David Tudor haben genau in dieser Zeit mit
musikalischen, das heißt akustischen Rauminszenierungen zu arbeiten angefangen.
Sie wollten sich von den traditionellen Formen der Konzertveranstaltungen, die
räum-lich und zeitlich gebunden sind, befreien. Sie suchten und fan-den
Möglichkeiten der Installierung permanenter Klangkunst im öffentlichen
Raum, Max Neuhaus prägte 1971 dafür den Begriff der Klanginstallation.
Fast alle diese Aktionen kann man auch beschreiben als Ein-richtungen von permanenten
Schallspielen im Sinne Friedrich Knillis, allerdings außerhalb des Mediums
Hörfunk, das von den meisten Klangkünstlern zu Recht dem etablierten
Kulturbetrieb zugerechnet wurde und wird. Es ist kein Zufall, daß Max
Neuhaus seine erste Klanginstallation mit dem Titel Drive-in music
(1967) als spezielle private Radioinstallation gestaltete; das Programm
(einfache Klänge und Töne, die von verschiedenen Sen-dern mit geringer
Reichweite abgestrahlt wurden) konnte man emp-fangen, wenn man eine Landstraße
entlang fuhr und das Autoradio auf eine bestimmte Frequenz einstellte. Ermöglicht
hat diese Befreiung vom Ursprungsmedium zum Gutteil die Entwicklung
der Produktionstechnik, die die Speicherung, Verarbeitung und Wie-dergabe von
Klangmaterialien für jedermann leichter verfügbar machte. Und vielleicht
hat dabei auch die in den Sechziger Jah-ren einsetzende phantasiefördernde
Pluralisierungstendenz in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens
und der Medien eine Rolle gespielt.
Für die Entwicklung der radiophonen Künste innerhalb der Rundfunkanstalten
waren diese Bewegungen der Sechziger Jahre freilich nicht folgenlos.
Das Neue Hörspiel hat seine weiter-führenden nichtliterarischen
Impulse aus den Arbeiten von Pierre Schaeffer und Pierre Henry zur musique
concrète empfangen , und es wurde beeinflußt von den Versuchen
John Cages, die Gren-zen eines normativen musikalischen Formenrepertoires
aufzulö-sen . Die Reihe Metropolis im WDR ist eine der Folgen
der Re-zeption dieser französischen Geräusch-Kompositionen, Bill Fonta-nas
Klangbrücken lassen sich darauf zurückführen, ebenso
all das, was nunmehr als Sound-Art und was an Soundscap-Produktionen entstanden
ist. In dieser zweiten Phase der Entwicklung des Neuen Hörspiels
hin zur Akustischen Kunst in den späten Siebziger Jahren und
Anfang der Achtziger Jahre wurden übrigens auch bildende Künstler
(Thomas Schulz zum Beispiel) auf das Hör-spiel aufmerksam und begannen
sich für akustische Materialien zu interessieren. Diese Künstler arbeiteten
dabei ganz selbstver-ständlich sowohl im Kunstbetrieb als auch für
die öffentlich-rechtlichen Medien.
In den Rundfunkanstalten hielten die Hörspielredaktionen in der Regel an
der literarischen Bestimmung der radiophonen Kunst fest; von Zeit zu Zeit gab
und gibt es Spielplan-Schwerpunkte für die audio art (im SFB
erstmals 1984) oder für das experi-mentelle Hörspiel.
Der Problematik im Verhältnis zwischen dem traditionellen literarischen
Hörspiel und dem neuen Schallspiel vor allem im Hinblick auf die sehr unterschiedlichen
Hörerinte-ressen waren und sind sich die meisten Hörspieldramaturgien
im deutschen Sprachraum bewußt, Konsequenzen aus der zunehmenden Distanz
zwischen diesen beiden radiophonen Künsten haben außer dem WDR nur
wenige gezogen. Klaus Schöning schuf sich im WDR seine eigene, vom Hörspiel
losgelöste Abteilung, einen eigenen Sendeplatz des Studios für
Akustische Kunst, für die ars a-custica gab es ja bereits.
Im ORF gibt es seit 1987/88 eine ei-gene Kunstradio-Redaktion, geleitet
von Heidi Grundmann, im SFB wurde Anfang 1995 eine eigene Sendereihe Radiokunst
einge-führt, und die Hörspielabteilung des Bayerischen Rundfunks nennt
sich seit Anfang 1996 trendgerecht Abteilung für Hörspiel und
Medienkunst.
Wie läßt sich nun die von mir behauptete Verbindung zwi-schen der
Geschichte der Radiokunst und der Geschichte der Klanginstallationen beschreiben.
Mit der Einführung des Rund-funks kam es zu einer Integration des öffentlichen
Raumes in den privaten Lebensraum. Die radiophonen Kunstformen, die sich hier-bei
entwickelt haben, suchten sich zunehmend als Ereignisse im öffentlichen
Raum zu re-etablieren, zunächst in speziellen For-men von Hörspielvorführungen
und sogenannten Hörfesten, dann zunehmend losgelöst vom
Medium Radio als eigenständige akusti-sche Kunst, eben als Klanginstallationen.
Den Museen wurden un-konventionelle Veranstaltungsorte vorgezogen.
Ich halte folgende Schlußfolgerung für zulässig: Die Klang-installation
ist eine Radiokunstform die sich als Raumkunst nicht nur vom Übertragungsmedium,
sondern auch von den klassi-schen Künsten, der Musik, der Literatur und
der Bildenden Kunst emanzipiert hat und für sich einen eigenen Platz im
Spielfeld der verschiedenen Genres ästhetischer Erfahrung gefunden hat.
Wenn nun, wie im Sender Freies Berlin, ein Haus des Rundfunks eine
Klanggalerie einrichtet, bedeutet das im Grunde nichts an-deres, als daß
sich ein historischer Kreislauf schließt. Der me-diale öffentliche
Raum, der von der Gesellschaft als öffentlich-rechtlicher definiert ist,
behauptet sich über die Präsentation der vom Medium unabhängig
gewordenen Klangkunst als lebendiger kultureller Ereignisraum.
(copyright: Manfred Mixner 2002)