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Die Arbeiter-Radio-Bewegung (ARB) entsteht 1923 mit den Anfängen des Rundfunks in Deutschland. Sie will den Arbeitern und Minderheiten eine Stimme im neu entstehenden Massenmedium verleihen. Ausgangspunkte einer Demokratisierungsbewegung des Rundfunks finden sich schon früher.Im November 1918 besetzen revolutionäre Arbeiter und Soldaten den zentralen Nachrichtenknotenpunkt des Deutschen Reiches, die Nachrichtenagentur "Wolffsches Telegrafenbureau" in Berlin. Sie nutzen das Medium zur Information und Koordination ihrer Räte.
In der Satzung des ARK heißt es: Doch die Weichen in Richtung regierungskonformer
Nutzung sind bereits bei der Einführung des Rundfunks in Deutschland
zu erkennen. Mit der Einrichtung von Sendestationen und der Verteilung
von Sendelizenzen ist das Reichspostamt betraut. Faktisch werden diese
Aufgabe aber von der Militärbürokratie ausgeübt. Seine primäre Aufgabe sieht der ARK zunächst darin, Bastelgruppen zu bilden, um Empfänger herzustellen und somit die technischen Voraussetzungen für eine Beteiligung am Rundfunkgeschehen zu erfüllen. Da Sendungen des ARK grundsätzlich nicht ausgestrahlt werden, kommt der Vereinszeitschrift "Arbeiterfunk" die Aufgabe zu, die Arbeiterschaft über das Rundfunkwesen zu informieren. Aktuelle politische Entscheidungen im Rundfunkwesen werden kommentiert und kritisiert. Bastelanleitungen veröffentlicht und Hinweise gegeben, wie der Langwellenempfang vorhandener Geräte auf den Empfang von Radio Moskau umgebaut werden kann. 1926 erhalten die neun bestehenden Rundfunkanstalten
der Reichsrundfunkgesellschaft eine auf öffentlichem Recht beruhenden
Konzession. Bedingungen hinsichtlich ihrer inneren Organisation und Programmgestaltung
sind: Die DRADAG hat das alleinige Recht, Nachrichten herauszugeben. Außerdem kann sie die Verbreitung bestimmter Informationen anordnen. Ein entscheidender Schritt in Richtung völliger Kontrolle des Rundfunkwesens ist damit getan. 1928 benennt sich der ARK in Arbeiter-Radio-Bund
Deutschland e.V. (ARB) um. Ab 1932 häufen sich die Zensurfälle.
In der Endphase der Weimarer Republik verbreitet der FRBD über Piratensender
seine Positionen zum politischen Geschehen, da eine Notverordnung nun
auch das Vereinsblatt verbietet: Aus heutiger Sicht stellt sich die Entwicklung
des Rundfunks bis zu seiner Funktionalisierung durch die Nationalsozialisten
als mehr oder minder geradlinige Vorbereitung auf seinen Einsatz als Propagandainstrument
dar. Die Arbeiter-Radio-Bewegung war eine der wenigen Kräfte, die
konsequent gegen die Einseitigkeit des Rundfunks argumentierte, um einer
breiten Bevölkerungsschicht den Zugang zu diesem Medium zu verschaffen
und es somit tatsächlich als demokratisches Kommunikationsmedium
zu etablieren. Dieser Versuch ist gescheitert.
Peter Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger - Proletarische Radiobewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Frankfurt am Main 1978 Hartmann Wunderer: Arbeitervereine und Arbeiterparteien. Kultur und Massenorganisationen in der Weimarer Republik (1890 - 1933), Frankfurt am Main, New York 1980 Friedrich Knilli: Deutsche Lautsprecher. Versuche zu einer Semiotik des Radios, Stuttgart 1972 Winfried B. Lerg, Rolf Steininger (Hrsg): Rundfunk und Politik 1923 - 1973, Beiträge zur Rundfunkforschung Bd. 3, Berlin 1975 Ausstellungskatalog: Wem gehört die Welt - Kunst und Gesellschaft in der Weimarer Republik, NGBK, Berlin 1977 ------------------------
Radio hören kann man in Deutschland ab 1923. Ab 1927 erfährt der Rundfunk eine starke Verbreitung in der Öffentlichkeit. Eingebunden ist diese technische Entwicklung eines neuen, massenwirksamen Mediums in eine politisch unruhige Zeit. Die verschiedensten politischen Gruppierungen suchen die Macht des Mediums für ihre Interessen zu vereinnahmen. Zu dieser Zeit beginnt auch Bertolt Brecht sich mit den Möglichkeiten des Mediums auseinanderzusetzen. Er spricht von einer technischen Erfindung die nicht von der Öffentlichkeit gefordert worden sei, sondern sich der Gesellschaft als Chance innerhalb eines demokratischen Staates anböte. Nicht Bedürfnisse würden befriedigt, sondern ein Medium suche nach Bedürfnissen. " Man hatte plötzlich die Möglichkeit allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen" Brecht bemängelt an der gängigen Rundfunkpraxis
der späten 20er Jahre, dass sie überwiegend auf Unterhaltung
angelegt sei und somit der Ablenkung auch vom politischen Geschehen diene.
Nach seiner Auffassung muss dem Rundfunk, der als neues Medium die breite
Masse der werktätigen Bevölkerung erreicht, eine pädagogische
Aufgabe zukommen. Der Hörer, der nun nicht mehr aus den Reihen der
bürgerlichen Kulturkonsumenten kommt, muß seine passive Rolle
verlassen und involviert werden. Hier ist der Apparat So beginnt Brechts "Ozeanflug". In den "Erläuterungen zum Ozeanflug" schreibt er: "Er ist ein Lehrgegenstand und zerfällt in zwei Teile. Der eine (...) hat die Aufgabe, die Übung zu ermöglichen, das heißt einzuleiten und zu unterbrechen, was am besten durch einen Apparat geschieht. Der andere pädagogische Teil ist im Text für die Übung: der Übende ist Hörer des einen Textteiles und Sprecher des anderen Teiles." Brechts radiotheoretischen Schriften aus den zwanziger
Jahren beinhalten zwei elementare Forderungen: - die Demokratisierung
des Rundfunks "Der "Ozeanflug" hat also weder einen
ästhetischen noch einen revolutionären Wert, der unabhängig
von seiner Anwendung besteht, die nur der Staat organisieren kann. Seine
richtige Anwendung aber macht ihn immerhin so weit "revolutionär",
daß der gegenwärtige Staat keine Interessen hat, diese Übungen
zu veranstalten." WEITERFÜHRENDE LITERATUR Bertolt Brecht; Gesammelte Werke 18; Schriften zur Literatur und Kunst I.; Frankfurt/Main 1967 Werner Mittenzwei; Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit dem Welträtseln; Berlin - Weimar 1988 Klaus-Dieter Krabiel; Brechts Lehrstücke. Entstehung und Entwicklung eines Spieltyps; Stuttgart 1993 W. B. Lerg; Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik; München 1980 Friedrich W. Knellessen; Agitation auf der Bühne. Das politische Theater der Weimarer Republik Emsdetten 1970
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